26.04.21

Liebe Vereinsmitglieder,                                                        

beachtet bitte die aktuelle Eindämmungsverordnung, die auch im Eingangsbereich nachzulesen ist.

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Küchen und Umkleide bleiben vorerst geschlossen.

Der Vorstand


Sein Aufschlag ist noch immer eine Waffe, sein Slice bringt jeden Gegner zur Verzweiflung. Und sein Volley ist brandgefährlich. Für Joachim Gersdorf hat der Tennissport auch nach mehr als 50 Jahren nichts von seiner Faszination verloren.

Der 60-Jährige, der im Alter von acht Jahren zum ersten Mal einen Schläger in der Hand hielt, hat sein Hobby irgendwann zum Beruf gemacht. Der gebürtige Karlsruher, der seit zwei Jahren in der Altmark lebt, wurde Tennistrainer. Und hat mit Laura Siegemund eines der größten deutschen Talente hervorgebracht.

Als Laura Siegemund sieben Jahre jung war, wurde Gersdorf ihr Trainer. Das war 1995, da hatte er gerade seine A-Trainer-Lizenz in der Tasche. Im kleinen Zizishausen südöstlich von Stuttgart war er damals als Trainer angestellt. Noch gut erinnert er sich an den Tag, an dem die zierliche Laura das erste Mal vor ihm stand. Ganz kess und selbstbewusst sei sie gewesen. Das Talent spielte damals schon mit einem Erwachsenen-Schläger. Und machte beim fünfminütigen Einspielen im Kleinfeld keinen einzigen Fehler. Das hat Gersdorf nachhaltig beeindruckt. Von ihm hat die Metzingerin gelernt, anders zu spielen als andere Mädchen. Statt nur auf Dauer-Power zu setzen, lernte Siegemund von Gersdorf den perfekten Slice, ansehnliches Serve-and-Volley-Spiel sowie Stoppbälle. Immer mal wieder das Tempo wechseln, für Überraschungen sorgen, der Gegnerin keinen Rhythmus geben.


„Sie hat damals schon so gespielt.“ Bis zu ihrem 13. Lebensjahr war Gersdorf ihr Coach. Zwischen 11 und 13 war Laura ungeschlagen. In Deutschland und international. Mit 12 Jahren gewann sie den Orange Bowl, die inoffizielle Weltmeisterschaft in Florida. Nach Steffi Graf ist sie erst die zweite Deutsche, der dies gelungen ist. „Dann ging der Hype los“, erinnert sich der Neu-Altmärker an Schlagzeilen wie „Wir haben eine neue Steffi Graf.“ Der Anfang einer prägenden Zeit, in der viele Fehler gemacht worden seien. Gersdorf war nicht mehr länger ihr Coach. In drei Jahren verschliss sie sechs Trainer. Keinem gelang es, sie in die Weltspitze zu bringen. Als sie mit 20 Jahren gerade mal die Nummer 400 war, sei sie wieder auf ihn zugekommen. Zwei Jahre lang arbeitete das Duo dann noch einmal zusammen. Immerhin war Siegemund dann die 200. Für Gersdorf war es zeitlich dann nicht mehr machbar. Er hatte einen Top-Trainer-Job in einem 650-Mitglieder-Verein in Schorndorf (Baden-Württemberg).

Inzwischen ist der 60-Jährige in Trainerrente, hat sich vor zwei Jahren zusammen mit seiner Frau bei Geestgottberg einen alten Bauernhof gekauft, den er saniert. Dazu gehört auch eine riesige Wiese, die noch geebnet und dann regelmäßig gemäht wird. Ideal, um ein rollbares Tennisnetz aufzubauen und einen Hauch von Wimbledon-Flair aufs platte Altmark-Land zu holen. Gersdorf liebt die Ruhe in der Region. „Hier hat man Platz zu atmen, zu laufen, mit dem Rad zu fahren. Wir fühlen uns hier total wohl.“ Ganz ohne Tennis und das dazugehörige Vereinsleben wollte er aber auch in seiner neuen Heimat nicht bleiben. Und so suchte er im Internet nach einem Tennisverein, den er in höchstens 45 Minuten Fahrtzeit erreichen könnte. So entstand der Kontakt zur SG Einheit Stendal. Er rief Detlef Hundt an, traf sich mit dem Vorsitzenden auf der Anlage und stellte schnell fest: „Wir sind auf einer Wellenlänge.“ Der Neu-Altmärker fing an, in Stendal zu spielen. Und ließ sich auch alsbald davon überzeugen, ab und zu Trainerstunden zu geben. Nicht mehr in Vollzeit, sondern höchstens an zwei oder drei Tagen in der Woche. Die SG Einheit kann sich freuen. Und auch der Tennisverband Sachsen-Anhalt. Gibt es mit Dr. Michael Heinz doch lediglich einen Trainer mit A-Lizenz. Auf Anfrage von Verbandspräsident Axel Schmidt hat Joachim Gersdorf zugestimmt, den einen oder anderen Lehrgang zu leiten. Oder auch als Oberschiedsrichter zu fungieren, die Lizenz hat er ebenfalls.


Quelle: Altmark-Zeitung vom 29.10.2020

Foto/Text:  Sabine Lindenau